Aliase bei Mailservern
Ein häufiges Problem: Eine Alias-E-Mail-Adresse zu haben. Dieses Problem wird in diesem Artikel ausführlich behandelt.
Unixbenutzerkonten und Mailserver
Es gibt dutzende von Mailservern, die die Benuterkonten auf die verschiedensten Weisen verwalten. Sehr häufig angewand ist die Methode, dass die Benutzer der Mailkonten den Benutzern des Unix- oder Linuxsystems entsprechen. Genau um den letzten Fall geht es hier.
Eine Mail-Adresse besteht aus 2 Teilen, der Hostangabe und der Benutzerangabe:
benutzer@host
Zuerst schaut der Mailserver, ob der Host korrekt ist. Anschließend vergleicht er die Benutzerangabe in der Empfängeradresse mit den Benutzern des Computers. Wenn alles glatt läuft, akzeptiert der Server die Mail und speichert sie bzw leitet sie weiter.
Das Problem
Angenommen Max Musterman hat auf seinem Server den Benutzer musterman eingerichtet. Er will aber nicht nur unter musterman@example.com, sondern auch dem Problem vorbeugen, dass die Leute seinen Namen mit einem doppelten "n" schreiben und unter mustermann@example.com erreichbar sein. Für seine Freunde und Verwandten will er auch zusätzlich noch eine private Adresse max@example.com einrichten.
Herr Musterman könnte natürlich für jeden dieser Fälle eigene Benutzerkonten anlegen. Dies ist aber ziemlich unpraktisch, zumal er dann jedes Konto einzeln abfragen muss. Deshalb muss eine andere Lösung her.
Die Lösung
Die Lösung für das ganze Problem heißt alias. Nahezu jeder Mailserver unterstützt die Möglichkeit, Aliasbenutzer anzulegen. Und zum Glück gibt es eine standardisierte Möglichkeit, das Problem zu lösen, das die meisten Server unterstützen (Sendmail & Postfix auf jeden Fall)
In der Datei /etc/aliases werden die Aliase definiert. Hierbei handelt es sich um eine normale Textdatei, die mit einem beliebigen Texteditor bearbeitet werden kann.
Ein Beispiel zeugt, wie die Datei aufgebaut ist:
1 2 3 4 5 6 7 | # Hier sind die Aliasbenutzer für den Empfang von
# E-Mails definiert. Bei Problemen bitte an den
# Administrator wenden (musterman@example.com).
root: musterman
mustermann: musterman
max: musterman
|
Diese Einstellung löst schon vollständig das obengenannte Beispielproblem. Zusätzlich bekommt Herr Musterman noch alle Mails, die an den Benutzer root gehen.
Aliase wie root, mail etc. sind gang und gebe in der Welt der Systemadministratoren. Das Konto root ist für Wartungsarbeiten und ähnlichem bestimmt, daher wird daher nur selten (oder auch nie) jemand nach Mails schauen. Deshalb ist ein Alias root ziemlich sinnvoll.
Sollen Mails an root@example.com auch an den Serveradministrator Herr Verwaltealles (Unixbenutzer: verwaltealles) weitergeleitet werden, kann man dies auch einfach machen, indem man die betreffende Zeile anpasst:
1 | root: musterman, verwaltealles
|
Bei der Formatierung der Datei muss folgendes beachtet werden:
- Kommentare beginnen mit einem Rautezeichen
# - Leerzeilen werden ignoriert
- Einträge müssen folgende Form haben:
1
alias: weiterleitung, weiterleitung
- Einträge dürfen nicht mit einem Leerzeichen beginnen, außer wenn ein vorheriger Eintrag in der folgenden Zeile fortgesetzt werden soll (siehe unten)
Übrigens kann man bei den Weiterleitungen statt eines anderen Benutzers auch eine andere E-Mail-Adresse angeben, beispielsweise so:
1 | dieter: dieter@example.org
|
Auch Weiterleitungen an Dateien und Programme sind ganz einfach zu bauen, wie das folgende Beispiel zeigt:
1 2 | datei: /pfad/zur/datei
programm: |/pfad/zum/programm
|
Dabei muss allerdings sichergestellt werden, dass der Server Schreib- bzw. Ausführrechte bei den Dateien besitzt. Der Strich | ist eine Pipe, die die Ausgabe auf das Programm umlenkt.
Ganz wichtig ist es, nach dem Editieren der /etc/aliases dem Mailserver Bescheid zu sagen, dass Änderungen vorliegen! Dies geschieht normalerweise mit dem Befehl newaliases. Dieser Befehl erfordert keine Parameter. Es kann durchaus vorkommen, das bestimmte Mailserver eine Extraeinladung benötigen, dies ist in der jeweiligen Dokumentation nachzulesen.
Mailingslisten
Mit der Aliasdatei lassen sich auch komfortabel Mailinglisten erstellen. Eine solche Liste kann wie folgt aussehen:
1 | team: musterman, verwaltealles, mitglied3, mitglied4@example.org
|
Eine Mail an team@example.com wird so an eine Vielzahl von Menschen weitergeleitet.
Das hat den Vorteil, dass man z.B. alle Leute eines Teams (z.B. Mitarbeiter bei einem Projekt) benachrichtigen kann, ohne das jedes Mitglied eine eigene Liste von Empfängern verwalten muss. Zentral können so einfach alle Empfänger verwaltet werden.
Wenn die Adressen zu viele werden, kann man sie auf mehrere Zeilen verteilen (Allerdings darf das führende Leerzeichen bei den folgenden Zeilen nicht vergessen werden!):
1 2 3 4 5 | team:
musterman,
verwaltealles,
mitglied3,
mitglied4@example.org
|
Bitte beachte, dass solche Mailinglisten natürlich perfekte Adressen für Spammer darstellen. Es ist nötig, mit der Listenadresse vorsichtig umzugehen und sie nirgendwo zu veröffentlichen.
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1 comment
PowerProgrammer am May 29, 2008 um 10:03 p.m.